Džemat Mainz

IGBD - Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland – Gemeinde Mainz

IZBNJ - Islamska zajednica Bоšnjaka u Njemačkoj – Džemat Mainz

Rede zur Eröffnung der Moschee

Verehrter Großmufti Kavazovic,
sehr geehrte Vertreter der Landesregierung und der Stadt Mainz,
verehrte Anwesende!

Es-selamu alejkum,
möge mit Ihnen allen Gottes Frieden und Segen sein.

Hätte Gott es so gewollt, so hätte er euch zu einem Volk gemacht. Er möchte euch jedoch einer Prüfung unterziehen, in dem was euch zuteil wurde. So begebt euch in einen Wettstreit um gute Taten (Kur´an, Maida, 48).

Mit den Angehörigen der (heiligen) Schrift(en), setze dich auf die schönste Art und Weise auseinander, davon ausgenommen sind diejenigen unter ihnen, die Übeltaten verrichten; und sage “Wir glauben an das, was an uns herabgesandt wurde, dies wurde auch euch herabgesandt; Unser Gott und euer Gott sind eins, und Ihm gegenüber sind wir besänftigt” (Kur´an, Ankebut, 46).

Ich richte mich mit vollkommen eindeutigen Versen aus dem Koran an Sie. Der Koran ist die heilige Schrift der Muslime, die Offenbarung von Allah (Gott), unserem gemeinsamen Einen und Einzigen Gebieter. Der Koran ist eine Schrift, die gelesen und erforscht wird. Eine Schrift, die durch den Barmherzigen Gott offenbart wurde, nicht nur den Muslimen, sondern allen Menschen, der gesamten Menschheit. Sie ruft uns stetig zu sich und ruft uns dazu auf, zu Ihr zurückzukehren, sie immer wieder aufs Neue zu ergründen, ihre Bedeutung zu erforschen, die im Einklang ist mit Gegenwart und Raum.
In ihr finden sich deutliche Verse, die die Muslime erkennen müssen, und denen sie als ihre geistigen Werte folgen müssen. Diese Schrift wurde durch die erste Generation der Muslime gut verstanden. Und Dank dieser Tatsache wurde das Wissen der Menschheit von vielen muslimischen Intelektuellen wie Avicene, Avroesa und Farabi bewahrt und in die westliche Welt übertragen, wo es zu einem großen Teil zu ihrem Aufstieg und Fortschritt beigetragen hat. Bei den muslimischen Völkern ist dagegen in den letzten Jahrhunderten leider ein Rückschritt zu verzeichnen. Genau aus dem Grund, weil sie sich - wie es im Koran heißt - von der Schrift abgewendet haben, weil sie nicht lesen und die Wissenschaft nicht schätzen.

Aus diesem Grund ist auch der heutige Tag eine gute Gelegenheit, um alle Muslime und andere weltoffenen Menschen dazu aufzurufen, den Koran zu studieren, und ihm die gebührende Achtung zuteil werden zu lassen. Besorgt sind wir, wenn wir von aktuellen Studien hören, wonach die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland den Islam als Bedrohung ansieht. Eine ähnliche Stimmungslage haben wir auch in anderen Ländern Westeuropas. Ganz unabhängig von den Vorurteilen, die gegenüber Muslimen und Islam in Westeuropa gehegt werden, muss man leider verdeutlichen und zugeben, dass sehr oft auch Muslime dem Islam Schaden zufügen. Eine enge Auslegung des Islam und seine Eingrenzung in einen beengten, lokalen Rahmen, ergibt zwangsläufig ein verfälschtes Bild des Islam und gibt in keiner Weise seine wahre Bedeutung wieder. Der Islam ist ein Glaube, der der gesamten Menschheit offenbart wurde, und niemand hat das exklusive Recht ihn zu vereinnahmen und auszulegen. Die Muslime sind selbstverständlich allen voran aufgerufen, über ihn zu sprechen. Denn wie ein Autor sagt “Islam is what Muslims make of it”, oder anders gesagt, Islam ist so, wie er von den Muslimen dargestellt wird.

Es ist daher auch sehr bedeutend zu erfahren, welches Verständnis vom Islam der berühmte Johann Wolfgang von Goethe hatte. Der bekannte deutsche Dichter sagte einst: “Wenn es stimmt, dass Islam Gottergebenheit heißt, dann sind wir alle Muslime”. Es handelt sich um einen Islam, wie Goethe ihn in einer erhabenen Art und Weise sieht, sagen die Kenner seiner Werke.
Ich habe den Eindruck, Gott weiß es am besten, dass wir Muslime nach dem Islam suchen, der Gegenstand von Goethes Phantasie und dichterischer Schaffung war. Das Genie Goethes vermochte es in seiner Lyrik, die Aspekte der Ewigkeit und das nachhaltige Wesen des Islam zu erkennen. Es handelt sich um einen überkonfessionellen Islam, einen Islam, den die verschiedenartigen muslimischen Ordnungen in der Geschichte noch mit keinem Glauben, keiner Weltanschauung konfrontiert haben.

Der “Muslim” ist - ins Bosnische oder egal in welche Sprache übersetzt – derjenige, der versöhnt bzw. derjenige, der nach Aussöhnung mit dem Frieden (Islam) trachtet, was eines der schönsten von Gottes Namen darstellt. Einer unseren Intelektuellen pflegt zu sagen, “dass man wissen müsse, dass man Muslim nicht werden kann, denn nur wer Mensch ist, kann auch Muslim sein”. Gott verlautbart sich als Frieden durch die Schöpfung. Das Muslimsein soll man dadurch erkennen und sich dessen bewusst werden, indem man sich dem Frieden zuwendet und in Verbindung mit diesem lebt.
Im Koran verlautbart Gott, dass Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, d.h. die Orte, in denen Sein Name aufgerufen wird, Voraussetzung für den Erhalt der Weltordnung sind.  Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen stellen Hürden für diejenigen dar, die die Weltordnung gefährden wollen. All diese Bauten symbolisieren die verschiedenen Wege, die zu Gott führen, der mit all seinen Namen von Bestand ist. Das Bewusstsein hierüber ist das Bewusstsein über Ihn. Welchen dieser Wege auch immer der Mensch für sich wählt, so zeugt dies davon, das er im Einklang mit dem Frieden und Ihm ist.

Verehrte Anwesende,
wir, als Angehörige der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken in Westeuropa, sind uns zutiefst darüber bewusst, dass wir der Islamischen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina angehören und ihr integrierender Bestandteil sind. Wir sind uns der Rolle bewusst, die uns zuteil wird. Wir verfügen über die Erfahrung des Zusammenlebens in einer multikonfessionellen Gesellschaft. Diese Erfahrung müssen wir weiter bereichern und ausbauen. Auch hier möchte ich betonen, dass die Bosniaken ein europäisches Volk sind. Wir gehören zu Europa und Europa gehört zu uns. Uns ist sehr an diesem Kontinent gelegen und wir sind sehr an seiner Zukunft interessiert. Als Religionsgemeinschaft sind wir sehr an der Erhaltung von Frieden und Stabilität, am interreligiösen Dialog, an der Freiheit sowie an anderen universellen Werten, die wir auch als eigene Werte betrachten, und die tief in unserer Glaubenstradition verwurzelt sind, interessiert.
Die Förderung des Gemeinwohls oder dessen, was von der Allgemeinheit als Wohl anerkannt wird (ma´ruf) bzw. die Abkehr von jedem Übel ist eine wichtige Zielvorgabe des Islam. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Begrifflichkeit “ma´ruf” zu, denn davon ist das umfasst, was von allen als Wohl (das Gute) allgemein anerkannt wird. “Ma´ruf” ist daher alles das, was bei anderen Völkern bzw. in ihren Kulturen und Traditionen als Allgemeinwohl anerkannt ist. Man könnte sagen, dass dies universelle Werte sind, die von Muslimen sehr oft als Gesetze Gottes oder Werte der Ewigkeit bezeichnet werden; während sie in der Gegenwart als Menschenrechte, Schutz des Lebensraumes, Artenschutz usw. bezeichnet werden. All dies sind universelle Werte, die die Muslime als islamische Werte ansehen müssen, diese schützend, erhaltend und fördernd.





Sehr geehrte Angehörige der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland und Westeuropa,
von dieser Stelle aus möchte ich auch Folgendes verkünden:
Innerhalb der iIlamischen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina wurde Ende des letzten Jahres entschieden, dass der Sitz des Muftitums für Westeuropa in Deutschland, in der Region Frankfurt, sein solle. Zufall oder nicht, vor genau 40 Jahren wurde in Frankfurt die erste Moscheegemeinde von jugoslawischen Gastarbeitern eröffnet. Diese Gemeinde begeht am 22. September dieses Jahres dieses bedeutende Jubiläum. In Frankfurt wurde im Jahre 1949 auch Johann Wolfgang von Goethe geboren. Gleichwohl wurde vor genau 40 Jahren im Jahre 1978 die erste bosniakische Moscheegemeinde gegründet und amtlich registriert. In Aachen, der Stadt, in der es durch die Begegnung von Karl dem Großen mit Harun er-Resid, zur Begegnung zwischen Ost und West kam.
Der gewichtigste Grund ist jedoch die Tatsache, dass Deutschland bzw. das deutsche Volk bei uns Bosniaken im historischen und kulturellen Sinne einen hohen Stellenwert einnimmt. Gleichwohl wollen wir damit selbstverständlich die Bedeutung der anderen befreundeten europäischen Nationen und Länder nicht mindern.

Verehrte Anwesende,
der “Džemat” (Moscheegemeinde/Gemeinde) ist eine Gemeinschaft von Muslimen, die wir bewahren und ausbauen müssen. Die Gesellschaften und Staaten, in denen wir leben, ermöglichen uns, unseren Glauben frei zu leben, und die gesetzlich garantierten Rechte wahrzunehmen. Dies gilt es zu achten und zu schätzen. Wir müssen auch selbst unter Beweis stellen, dass wir ein nützlicher Teil dieser Gesellschaften sind. Dass auch wir unseren Beitrag zum Fortschritt und zur Weiternetwicklung dieser Gesellschaften, des sekulären Staates und des Rechtstaates leisten.

Auch am heutigen Tage rufen wir daher die Muslime dazu auf, den Gesellschaften und Ländern, in denen sie leben, aktiv dienlich und von Nutzen zu sein. Insbesondere rufen wir sie dazu auf, ihren Beitrag für den Erhalt und die Fort- und Weiterentwicklung der europäischen Völkergemeinschaft und der Europäischen Union, die Garant ist für Sicherheit, Fortschritt und Wohlstand all ihrer Bürger,  zu leisten. In diesem Zusammenhang haben wir natürlich die Hoffnung, dass Bosnien und Herzegowina zusammen mit den anderen Ländern des Westbalkans, zeitnah in den Kreis der Gemeinschaft der europäischen Nationen und Länder aufgenommen wird.

Verehrte Mitglieder der Gemeinde Mainz,
ich beglückwünsche euch zu dieser heutigen Eröffnung, zu dieser guten Tat, die ihr unseren jüngeren Generationen zuteilwerden lasst. Ich ersuche den Allmächtigen Gott, dass Er all diejenigen, die ihren Beitrag für dieses Gut geleistet haben, umfassend belohnen möge. Einer der bedeutendsten muslimischen Denker, Dichter und Mystiker, Mevlana Dželaludin Rumi, sagte vor sechs Jahrhunderten: “Ein Haus, dass ohne Fenster ist, gleicht der Hölle”. Grundstein des Glaubens ist es, die Fenster zu öffnen. Die heutige Eröffnung und Öffnung der Türen dieser Moschee verpflichtet uns dazu, kundzutun, dass wir eine neue Seite in unserem Leben aufschlagen. Öffnen wir die Türen und Fenster unserer Häuser, denn der liebe Gott gebietet uns, dass die Türen Seines Hauses weit geöffnet sein mögen. Öffnen wir unsere Herzen und Seelen für den anderen Menschen. Seien wir gute Nachbarn und Freunde. Zeigen wir mehr Achtung füreinander. Lernen wir voneinander, denn wir sind aufeinander angewiesen. Allah der Barmherzige hat uns damit gesegnet, dass wir in Verschiedenartigkeit miteinander leben, gleichzeitig stellt Er uns damit auf die Prüfung. Eben wegen diesem Segen müssen wir unseren eigenen Modus vivendi weiterentwickeln, damit wir den anderen Menschen in der Welt ein gutes Vorbild sein können. Auf das wir gute und ehrbare Muslime, Juden und Christen sein mögen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und möge Ihnen Allah der Barmherzige alles Gute zuteil werden lassen!

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